*1988 in Seoul, Korea; lives and works in Berlin
An Artist Interview #44
Minu Park
Photo: Luis Bortt
Your current practice engages strongly with the idea of the "cyborg". How did you arrive at this form, both conceptually and materially?
To me, the cyborg isn’t so much about explaining the relationship between humans and machines. It’s more a form that naturally came about while I was exploring my own sense of ambiguous identity and the unstable feelings that come with it. I don’t think of this form as something fixed or “complete”; instead, it reflects a way of existing that’s constantly being reconstructed depending on the situation.My work often starts from the perspective of an outsider, a feeling of floating without fully settling anywhere. In that marginal position, where you’re never completely inside or outside a social structure, the body doesn’t feel like a single, solid whole. It appears more as a collection of fragments that can be taken apart and rearranged. For me, the cyborg exists in that state, something maintained through constant recombination. The mechanical movements that happen between disassembly and reassembly point to how unstable an existence can be when it’s held together by imperfect connections. Thinking through that sense of incompleteness is what eventually led me to the form of the cyborg.
This way of thinking also extends to the material side of the work. I make the Cyborg series in modular formats so they can be disassembled and reassembled, using lightweight materials like XPS board or 3D-printed parts. These materials allow the structure to stay flexible and adaptable, rather than becoming locked into a single fixed form.
For the surfaces, I use epoxy and latex. I’m interested in how they gradually change color under natural light over time. Even though these materials are synthetic, this tanning-like shift can feel almost biological. It introduces a sense of time into the mechanical form, so the work isn’t experienced as a fixed object, but as something that continues to change.
In deiner Arbeit beschäftigst du dich intensiv mit der Idee des „Cyborgs“. Wie bist du zu dieser Form gelangt, sowohl konzeptionell als auch materiell?
Für mich geht es beim Cyborg weniger darum, die Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu erklären. Es ist vielmehr eine Form, die ganz natürlich entstanden ist, während ich mein eigenes Gefühl einer ambivalenten Identität und die damit einhergehenden instabilen Empfindungen erforschte. Ich betrachte diese Form nicht als etwas Feststehendes oder „Vollendetes“; vielmehr spiegelt sie eine Art des Daseins wider, die sich je nach Situation ständig neu konstruiert. Meine Arbeit geht oft von der Perspektive eines Außenseiters aus, einem Gefühl des Schwebens, ohne sich irgendwo vollständig niederzulassen. In dieser Randposition, in der man nie ganz innerhalb oder außerhalb einer sozialen Struktur ist, fühlt sich der Körper nicht wie ein einziges, festes Ganzes an. Er erscheint eher als eine Ansammlung von Fragmenten, die auseinandergenommen und neu angeordnet werden können. Für mich existiert der Cyborg in diesem Zustand, der durch ständige Neukombination aufrechterhalten wird. Die mechanischen Bewegungen, die zwischen Demontage und Remontage stattfinden, zeigen, wie instabil eine Existenz sein kann, wenn sie durch unvollkommene Verbindungen zusammengehalten wird. Das Nachdenken über dieses Gefühl der Unvollständigkeit hat mich schließlich zur Form des Cyborgs geführt.
Diese Denkweise erstreckt sich auch auf die materielle Seite der Arbeit. Ich fertige die „Cyborg“-Serie in modularen Formaten an, sodass sie zerlegt und wieder zusammengesetzt werden kann, wobei ich leichte Materialien wie XPS-Platten oder 3D-gedruckte Teile verwende. Diese Materialien sorgen dafür, dass die Struktur flexibel und anpassungsfähig bleibt, anstatt in einer einzigen festen Form erstarrt zu sein.
Für die Oberflächen verwende ich Epoxidharz und Latex. Mich interessiert, wie sich ihre Farbe im Laufe der Zeit unter natürlichem Licht allmählich verändert. Auch wenn es sich um synthetische Materialien handelt, wirkt dieser bräunungsähnliche Wandel fast schon biologisch. Er verleiht der mechanischen Form eine zeitliche Dimension, sodass das Werk nicht als feststehendes Objekt wahrgenommen wird, sondern als etwas, das sich ständig verändert.
by Minu Park
Yellow Cyborg III, 2025
Stainless steel, glass, 3D printed plastic,
latex liquid, AC/DC motors, tubing
165 x 160 x 55 cm
You’ve mentioned that the work is deeply personal. What role do emotions play in your practice, and how do you translate or embed these emotional states into your sculptural language?
Yes, my work begins with personal experiences and emotions. For me, feelings like anxiety, alienation, and guilt don’t simply fade; they stay with me like lasting traces. These were emotions I once moved past more easily, but as time goes by, they often become even more vivid.When these feelings surface, I naturally find myself drawn back to past memories and the sensory landscape of my home. As my environment has changed, emotions I wasn't previously conscious of have begun to reappear in new ways. Rather than explaining these emotions directly, I prefer to leave them in an open state, allowing viewers to encounter them through their own perspectives.
This approach is closely tied to why I work with kinetic sculpture. Since I was a child, I've loved taking toys apart and reassembling them, and over time, that process has become my artistic language. Repetitive or slightly awkward movements don’t deliver a fixed message; instead, they create a space where the audience can respond with their own unique emotions.
Du hast erwähnt, dass deine Arbeit sehr persönlich ist. Welche Rolle spielen Emotionen in deiner künstlerischen Praxis, und wie übersetzt oder verankerst du diese emotionalen Zustände in deiner bildhauerischen Sprache?
Ja, meine Arbeit geht von persönlichen Erfahrungen und Emotionen aus. Gefühle wie Angst, Entfremdung und Schuldgefühle verblassen für mich nicht einfach; sie begleiten mich wie dauerhafte Spuren. Das waren Emotionen, die ich früher leichter überwinden konnte, doch mit der Zeit werden sie oft noch lebhafter. Wenn diese Gefühle an die Oberfläche kommen, fühle ich mich ganz natürlich wieder zu vergangenen Erinnerungen und der sinnlichen Landschaft meiner Heimat hingezogen. Da sich meine Umgebung verändert hat, tauchen Emotionen, derer ich mir zuvor nicht bewusst war, auf neue Weise wieder auf. Anstatt diese Emotionen direkt zu erklären, ziehe ich es vor, sie offen zu lassen, damit die Betrachter ihnen aus ihrer eigenen Perspektive begegnen können.
Dieser Ansatz hängt eng damit zusammen, warum ich mich mit kinetischer Skulptur beschäftige. Schon als Kind habe ich es geliebt, Spielzeug auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen, und im Laufe der Zeit ist dieser Prozess zu meiner künstlerischen Ausdrucksform geworden. Sich wiederholende oder etwas unbeholfene Bewegungen vermitteln keine festgelegte Botschaft; stattdessen schaffen sie einen Raum, in dem das Publikum mit seinen ganz eigenen Emotionen darauf reagieren kann.
by Minu Park
Detail Yellow Cyborg III, 2025
by Minu Park
Detail Yellow Cyborg III, 2025
Many viewers immediately associate your visual vocabulary with science fiction. Is Sci-Fi an influence for you and if so, are there specific works, films, or narratives that shaped your aesthetic or conceptual approach?
I’ve always been deeply drawn to older sci-fi films. I’m particularly captivated by their slow pacing, restrained emotions, and the tactile, technical materiality created by hand rather than through computer graphics. In that sense, I think it’s natural for people to see a sci-fi aesthetic in my work. Films like 2001: A Space Odyssey and Blade Runner have left a lasting impression on me, less because of the technology they depict and more because of the atmosphere and attitude they carry. What I find fascinating is the way characters exist in a state of being out of sync with their world and never fully connected. In these narratives, technology doesn’t solve problems; instead, it highlights a sense of existential uncertainty.This perspective connects deeply with my own practice. I’m less interested in imagining a far off future and more interested in how sci-fi can make the present feel strange or unfamiliar. In that sense, sci-fi has become a way for me to think through and articulate my own situations and emotions.
Viele Betrachter*innen verbinden deine Bildsprache mit Sci-Fi. Ist das ein Einfluss für dich? Falls ja, gibt es bestimmte Werke, Filme oder Erzählungen, die deinen ästhetischen oder konzeptionellen Ansatz besonders geprägt haben?
Ich habe mich seit jeher sehr zu älteren Science-Fiction-Filmen hingezogen gefühlt. Besonders faszinieren mich ihr gemächliches Tempo, die zurückhaltende Emotionalität und die greifbare, technische Materialität, die von Hand und nicht durch Computergrafiken geschaffen wurde. In diesem Sinne finde ich es ganz natürlich, dass die Menschen in meinen Arbeiten eine Science-Fiction-Ästhetik erkennen. Filme wie 2001: Odyssee im Weltraum und Blade Runner haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, weniger wegen der darin dargestellten Technologie als vielmehr wegen der Atmosphäre und der Haltung, die sie vermitteln. Was mich fasziniert, ist die Art und Weise, wie die Figuren in einem Zustand existieren, in dem sie nicht mit ihrer Welt im Einklang stehen und nie ganz mit ihr verbunden sind. In diesen Erzählungen löst Technologie keine Probleme; stattdessen unterstreicht sie ein Gefühl existenzieller Unsicherheit. Diese Perspektive steht in tiefem Zusammenhang mit meiner eigenen Praxis. Ich interessiere mich weniger dafür, mir eine ferne Zukunft vorzustellen, sondern vielmehr dafür, wie Science-Fiction die Gegenwart fremd oder ungewohnt erscheinen lassen kann. In diesem Sinne ist Science-Fiction für mich zu einem Mittel geworden, meine eigenen Situationen und Emotionen zu durchdenken und zu artikulieren.
by Minu Park
Yellow Cyborg II, 2024
XPS foam, steel, epoxy, AC motors, video, tubing
160 x 135 x 48 cm
Could you walk us through your working process? What usually initiates a new body of work for you, and would you describe your process as more linear, cyclical, or something else entirely?
Overall, my working process follows a broadly linear path. It usually begins with a specific emotion or narrative that lingers with me. From there, I develop a form and then move into technical testing to see if that form can actually function. Only after these stages do I proceed to detailed drawing and final production.
That said, these stages aren’t strictly separate. The results of a technical test or the specific way a movement behaves often lead me back to adjust the initial form or structure. So, while the general flow may appear linear, the process itself is more layered and interwoven, where different elements continuously overlap and influence one another.
Kannst du uns deinen Arbeitsprozess näher erläutern? Was ist für dich normalerweise der Auslöser für eine neue Werkreihe, und würdest du deinen Prozess eher als linear, zyklisch oder ganz anders beschreiben?
Insgesamt verläuft mein Arbeitsprozess weitgehend linear. Er beginnt meist mit einem bestimmten Gefühl oder einer bestimmten Erzählung, die mich nicht loslässt. Daraufhin entwickle ich eine Form und gehe dann zu technischen Tests über, um zu prüfen, ob diese Form tatsächlich funktioniert. Erst nach diesen Schritten fahre ich mit detaillierten Zeichnungen und der endgültigen Umsetzung fort.
Allerdings sind diese Phasen nicht streng voneinander getrennt. Die Ergebnisse eines technischen Tests oder das spezifische Verhalten einer Bewegung veranlassen mich oft dazu, die ursprüngliche Form oder Struktur anzupassen. Auch wenn der allgemeine Ablauf linear erscheinen mag, ist der Prozess selbst vielschichtiger und verflochtener, wobei sich verschiedene Elemente ständig überschneiden und gegenseitig beeinflussen.
Photo: Luis Bortt
Even before the “cyborg” sculptures, your work was highly technique-driven. What role does technical experimentation play for you today? And more broadly, how do you imagine our coexistence with technology evolving in the future?
For me, technical experimentation is a process of exploring how materials and technology can take on the form of a mental state or a specific sensory experience. I observe the reactions that occur when the physical properties of materials directly interact with technology, and through this process, I attempt to draw invisible mental states into physical form.
I’m interested in the possibility that technology might function as a layer that reflects our inner senses and mental states, rather than remaining a separate tool. In that sense, the relationship between humans and technology feels less like a fixed mode of coexistence and more like a state of constant adjustment.
Schon vor den „Cyborg“-Skulpturen war deine Arbeit stark technikorientiert. Welche Rolle spielen technische Experimente heute für dich? Und allgemeiner gefragt: Wie stellst du dir die Entwicklung unseres Zusammenlebens mit der Technologie in der Zukunft vor?
Für mich ist das technische Experimentieren ein Prozess, bei dem ich erforsche, wie Materialien und Technologie die Form eines mentalen Zustands oder einer bestimmten Sinneserfahrung annehmen können. Ich beobachte die Reaktionen, die entstehen, wenn die physikalischen Eigenschaften von Materialien direkt mit Technologie interagieren, und versuche durch diesen Prozess, unsichtbare mentale Zustände in physische Form zu bringen.
Mich interessiert die Möglichkeit, dass Technologie nicht nur ein eigenständiges Werkzeug bleibt, sondern vielmehr als eine Ebene fungiert, die unsere inneren Empfindungen und mentalen Zustände widerspiegelt. In diesem Sinne erscheint mir die Beziehung zwischen Mensch und Technologie weniger als eine festgelegte Form des Zusammenlebens, sondern vielmehr als ein Zustand ständiger Anpassung.
Looking ahead, what’s next for you? Are you already exploring ideas for a new series or direction?
For now, I’m setting the Cyborg series aside and focusing on capturing the unpredictable reactions that occur when materials meet technology, particularly how they change over time. I’m working on pieces that materialize emotional trajectories or situational tensions, allowing them to transform rather than remain fixed.
Was steht als Nächstes für dich an? Hast du bereits Ideen für eine neue Serie oder Richtung?
Vorerst lege ich die „Cyborg“-Serie beiseite und konzentriere mich darauf, die unvorhersehbaren Reaktionen einzufangen, die entstehen, wenn Materialien auf Technologie treffen, insbesondere darauf, wie sie sich im Laufe der Zeit verändern. Ich arbeite an Werken, die emotionale Verläufe oder situative Spannungen verkörpern und es ihnen ermöglichen, sich zu wandeln, anstatt statisch zu bleiben.
by Minu Park
Yellow Cyborg IV, 2026
3D printed plastic, XPS foam, epoxy, AC/DC motors, tubing
210 x 195 x 185 cm
by Minu Park
Yellow Cyborg V, 2025
Polyurethane foam sheet, steel wire, epoxy resin
137 x 68 x 55 cm
Photo: Luis Bortt
Photo: Luis Bortt
Photo: Luis Bortt
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Leopold Schaefer
Luis Bortt